Hausaufgabe

Digitale Portfolios in der Bildung

Dies stellt eine Hausaufgabe dar, die eigentlich schon im letzten Semester hätte abgegeben werden müssen. Wir sollten zu Beispielen digitaler Portfolioarbeit recherchieren. Zum eigentlichen Abgabezeitpunkt diente die Hausaufgabe vermutlich der Vorbereitung und dem Kennenlernen dieser Arbeits- und Dokumentationsform. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich mein digitales Portfolio bereits geschrieben. Trotzdem habe ich vor allem in den unter https://unifolio.wordpress.com/tag/portfolio/ zu findenden e-Portfolios recherchiert. In dieser Arbeit werde ich versuchen, dabei gemachte Beobachtungen mit Reflexionen meiner eigenen Portfolioarbeit zu verbinden.

Die Portfolios die ich mir angeschaut habe, wirkten durchgehend so, als wenn die Autoren sie im Rahmen eines von einer Bildungseinrichtung geforderten Lernabschnitts verfassen mussten. Direkt einer der ersten Teile eines Portfolios führte mich zu einer ergiebigen Reflexion über das Thema. Darum möchte ich hier aus dem Block zunächst zitieren:

„Über 2 Wochen ist der letzte Blogeintrag her, ich konnte mich irgendwie nicht aufraffen, etwas zu schreiben, war im Gegenteil ganz froh, wenn ich mal nicht so viel nachdenken musste und vor allem hatte ich keine Lust, mich selbst zu reflektieren. Beziehungsweise hab ich mich noch nicht bereit gefühlt, meine Gedanken hier zu offenbaren, musste die erstmal [sic!] ordnen und die richtigen Worte finden.“ (http://tanne2010.wordpress.com/)

Dieses Zitat machte mir verschiedene Seiten der digitalen Portfolioarbeit bewusst. Zum ersten, die auch bei anderen offensichtlich vorhandene Unlust, sich und sein Handeln permanent selbst reflektieren zu müssen. Ich verstehe, dass dies zu einer sich ständig fortentwickelnden Profession wie der Lehrtätigkeit dazu gehören muss, glaube jedoch auch, dass ich dies oft sowieso tue. Selbst wenn dies nicht schriftlich geschieht.

Damit zusammenhängend fiel mir beim Lesen der anderen Portfolios auf, was ein zeitraubendes Element der veräußernden Selbstreflexion im Rahmen der Portfolioarbeit ist. Beim Nutzen von semi-öffentlichen Internet-Plattformen und vorgegebenen Arbeitsformen bei denen die Teilnehmer sich gegenseitig rezipieren sollen, muss vom Autor davon ausgegangen werden, das jeder mögliche Leser über die grundsätzliche und jede einzelne, erlebte Situation aufgeklärt werden muss. Dieser Teil der Arbeit nimmt weit mehr als die Hälfte meiner und der von mir recherchierten Texte ein. Erst nach diesen notwendigen Beschreibungen kann eine für den Leser nachvollziehbare Reflexion durchgeführt werden. Nun stellt sich mir die Frage, inwieweit eine äußernde Selbstreflexion, die notwendigerweise einen Beschreibungsteil enthalten muss, überhaupt sinnvoll ist.

Die Verschriftlichung einer Reflexion kann, um noch einmal Bezug auf das Zitat zu nehmen, sinnvoll sein, wenn der Autor durch das Verfassen eben dieser Reflexion eine Klärungsannäherung seiner Selbst und seiner Situation herbeiführen kann. Warum ist dafür ein dritter Notwendig? Denn wenn dieser nicht berücksichtigt werden müsste, würden zur Beschreibung der erlebten Situation, die zu Erinnerungszwecken auch für den Autor sinnvoll sein können, kürzeste Ausführungen, respektive kleinste Erinnerungsbrücken genügen. Jedenfalls solange es sich um einen zeitlich relativ überschaubaren Reflexionsprozess handelt, wie er zumindest in meiner Praktikumssituation gegeben war. Mir schwebt eine mehr assoziativ, formal-subjektivere Reflexionsarbeit vor. Diese könnte im Rahmen eines Seminars vielleicht schwerer nachvollzogen und benotet werden, würde der knapp bemessenen Zeit und Motivation vieler Studenten aber vielleicht helfen einen konzentrierteren, ergiebigeren Reflexionsprozess vollziehen zu können. Trotzdem würde er durch seine schriftliche Fixierung bis zu einem bestimmten Maße erkennbar bleiben.

Ich hoffe ich konnte deutlich machen wo ein meinen Augen ein Hauptproblem der digitalen Portfolioarbeit liegt und vielleicht einige Anregungen zu weiteren Überlegungen geben. Denn so wie ich die Portfolioarbeit im Rahmen meines Praktikums verstanden habe, soll sie vor allem den Studierenden und ihrer Entwicklung helfen.

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Fünf

Fünf
Mein Praktikum ist jetzt vorbei. Letzte Woche hatte ich von Mittwoch bis Freitag jedoch noch einmal volles Programm.

Wie schon im letzten Eintrag angekündigt, habe ich mit zwei Theaterpädagogen und einem Deutschlehrer eine Gruppe von 20 Kindern geleitet. Die Veranstaltung ging immer von 9:30 bis 16:00 und endete am Freitag mit der Aufführung des erarbeiteten Theaterstücks vor ca. 100 Menschen.

Die Kinder hatten verschiedenste soziale Hintergründe. Zumindest vermute ich das. Die Vermutungen stelle ich anhand der Verhaltensmuster verschiedener Kinder an. So zeigte ein Großteil der 10 -14 jährigen ein relativ verträgliches Sozialverhalten und die Fähigkeit zur zeitweiligen, konzentrierten Mitarbeit. Es gab allerdings auch Kinder welche eine verminderte Affektkontrolle aufwiesen, starke Konzentrationsschwierigkeiten hatten und immer wieder mit anderen Kindern in Konflikte gerieten. Diese Konflikte konnten im Laufe der Veranstaltung zweimal nur gelöst werden, indem eine Betreuerin den entsprechenden Jungen festhielt. Dieser hatte vorher auch nach mehrmaligen, verschiedenen Versuchen ihn und sein fremdgefährdendes Verhalten zu stoppen nicht davon abgelassen und geriet in den Armen der Betreuerin letztlich vollends in Rage. Erst nach mehreren Minuten beruhigte er sich. Später erfuhr ich, dass dieser spezielle Junge auf eine Schule für Kinder mit sozial – emotional Störungen geht und nur wegen Anweisungen des Jugendamtes an der Veranstaltung teilnahm. Wir hatten große Schwierigkeiten bei der Betreuung des Jungen und hätten uns gewünscht vor der Veranstaltung einige, wichtige Informationen über ihn zu erhalten. Wie kann es sein, dass ein Kind in eine Veranstaltung verwiesen wird, jedoch keine Informationsübergabe stattfindet? Das Fehlen eben dieser hat es für uns und den Jungen sehr schwer gemacht.

Der Bruder des Jungen nahm übrigens auch Teil, war aber in einer anderen Gruppe für jüngere Kinder. Diese Gruppe hat abgesehen von den sprachlichen Elementen etwas Ähnliches gemacht wie wir. Das von ihnen entwickelte Stück ging in die Richtung eines Musicals. In Bezug auf das Alter fand also eine Differenzierung statt. Soviel zunächst erst einmal von den Schwierigkeiten und Problemen einer Lerngruppe mit der man in einer Woche intensiv und produktorientiert arbeiten musste.

Das übergreifende Thema des Workshops war „Held/innen“. Die ersten drei Tage hatten die Kinder zur einen Hälfte eine sogenannte Schreibwerkstatt in der sie sich auf schriftlicher Ebene mit dem Thema auseinandersetzen sollten und zur anderen Hälfte wurde theaterpädagogisch gearbeitet. Ein wichtiger Teil der Schreibwerkstatt war natürlich auch der Diskurs zwischen den Kindern. Denn nicht nur eigene Überlegungen sollten die Grundlage für Elfchen, kurze Texte und Interviews sein, die auch als Grundlage für das Stück dienen sollten.

Mein Hauptaugenmerk lag natürlich auf der Theaterarbeit. Schon die von den beiden Theaterpädagoginnen angewendeten Einführungs-, Kennenlern-, und Aufwärmspiele waren sehr facettenreich und anregend. Gut zum Einstimmen allgemein, fand ich ein Klatschspiel, bei dem in einem vorgegebenen Rhythmus die gesamte im Stuhlkreis sitzende Gruppe eine bestimmte Klatschreinfolge einhalten musste. Erst wurde mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß auf den Boden gestampft, woraufhin zunächst beide Hände auf die Oberschenkel, dann die rechte auf die linke und die linke Hand auf die rechte Schulter geklatscht werden musste. Wenn sich der Rhythmus etabliert hatte, was eine erste Konzentrationsleistung darstellte, gab eine der Pädagoginnen einen Namen rein. Und zwar indem sie beim Schlag mit der rechten Hand auf die linke Schulter zunächst ihren eigenen Namen sagte und dann, beim Schlag der linken Hand auf die rechte Schulter, den Namen der Person die als nächstes damit dran sein sollte. Somit ging diese Aufgabe von Teilnehmer zu Teilnehmer. Die besondere Schwierigkeit war dabei den Rhythmus zu halten. Auf der einen Seite förderte das Spiel die Konzentration und den Zusammenhalt in der Gruppe, war auf der anderen Seite aber auch sehr witzig und bereitete den Kindern viel Spaß.

Ein unter dem kuriosen Namen „ästhetische Mittel“ durchgeführtes Aufwärmspiel für die Theaterarbeit, war außerdem herausragend. Dabei wurden vor ein Mikrofon, welches an einen Verstärker angeschlossen war, mehrere Karten gelegt. Auf den ca. 60 Karten standen verschiedene Aufforderungen. Die Forderungen bezogen sich auf die Handlungen der Spieler die sich im Raum verteilen mussten und die von den Ansagern über Mikrofon reingerufen wurden. Es gab verschiedene Anweisungen zu Gefühlen die gespielt werden sollten, wie die Spieler sich fortbewegen sollten und in welcher Geschwindigkeit das ganze passieren sollte. Mit der Unterstützung von fetziger Musik artete das Spiel teilweise etwas aus, war jedoch ein Spaß sondergleichen. Natürlich gab es Kinder, die sich anfangs nicht getraut haben mitzumachen und sich erst im Verlauf durch die Motivation der anderen lösen konnten, sowie Kinder die bis zum Schluss eher beschämt durch das Spielen der anderen waren. Jedoch merkte man eindeutig wie das Spiel die Lust am Schauspiel und die Kommunikation darüber förderte. Für seine Leistung ein direktes, unmittelbares Feedback zu bekommen und sich bei anderen Spielern etwas abschauen zu können ohne auf verbaler Ebene miteinander kommunizieren zu müssen, sind mit Sicherheit Stärken des Spiels.

Als ich am dritten Projekttag, also der chronologischen Mitte, eingestiegen bin, war bereits die Zeit gekommen, sich ein konkretes Stück auszudenken. Bis dahin hatten die anderen mir den Kindern einige Szenen ausprobiert, sowie Textgrundlagen in der Sprachwerkstatt geschaffen. Nachdem der Mittwoch genutzt wurde um eine Schlüsselszene in der alle Kinder vorkommen sollten und andere einzelne Szenen zu Proben, sowie letzte Hand an verschiedene Texte zu legen, trafen sich das Theaterpädagoginnen-Team und ich am Mittwochabend um die Inszenierung zu besprechen. Aus den einzelnen Teilen, welche zum großen Teil nicht einmal annähernd geprobt waren musste nun ein großes Ganzes werden. An diesem Punkt wurde uns allen eine gewisse Zeitknappheit bewusst. Denn abgesehen von den Proben für die einzelnen Teile, musste am nächsten Tag natürlich noch alles zusammengefügt werden. Am Freitag blieb vor dem Auftritt nur noch Zeit für eine „Generalprobe“. Somit stand der Donnerstag ganz im Zeichen der Proben.

Anfangs hatten die Kinder jedoch große Probleme konzentriert mitzuarbeiten. Das ganze schaukelte sich, weil die beiden Theaterpädagogen die Zeit im Blick hatten und eine gewisse Ungeduld zeigten, soweit hoch, dass die beiden den Raum verließen, obwohl sie eigentlich die Kinder über den Verlauf aufklären wollten. Ich blieb mit der Gruppe zurück und beschwichtigte die Kinder. Ich erklärte die Lage und die Perspektive der beiden um die beiden danach wieder hereinzurufen. Das Ganze geschah, ohne dass wir es abgesprochen hatten. Es gab mir ein gutes Gefühl diesen Konflikt diplomatisch lösen zu können. Nachdem also alle bei der Sache waren, gingen wir in eine intensive Probephase. Dabei musste ich leider die Kinder betreuen, die zeitweise nicht Proben mussten. Leider schreibe ich nur, weil ich so die Proben zum Teil verpasst habe. Andererseits konnte ich so spontan meine Leitungsfähigkeiten testen. Es gelang mir die Aufmerksamkeit zu bündeln und einige Spiele anzuleiten.

Ich konnte allerdings andere Teile von Proben verfolgen und habe sogar die Aufgabe übertragen bekommen, einen bestimmten Part mit einer Gruppe von 7 Kindern einzuüben. In der zu übenden Szene sollten sich die Kinder in ihren Superheldenrollen vorstellen. Für das Stück schlüpfte jedes der Kinder in die Rolle eines selbsterdachten Superhelden. Natürlich haben die Kinder nur beschränkte schauspielerische Fähigkeiten und zu großen Teilen Probleme mit Scham. Außerdem hatten einige Kinder Probleme, sich mit der vorher erstellten Szene abzufinden und äußerten immer wieder den Wusch etwas an der Szene zu ändern. Aufgrund der Zeitknappheit war das leider nicht mehr möglich und ich musste wiederum beschwichtigend und motivierend Einfluss nehmen.

Als Fazit der drei Projekttage, kann ich behaupten mich schnell in der Gruppe eingefunden und eine direkte, positiv erlebte Beziehung zu den Kindern aufgebaut zu haben. Ich habe es geschafft Streitigkeiten zwischen den Kindern zu klären und habe dafür von ihnen sogar ein als ehrlich empfundenes Dankeschön erhalten. Die theatrale Arbeit bereitete mir große Freude. Sowohl die Elemente in denen man selbst aktiv wurde, wie z.B. Spiele und Inszenierungsarbeiten, als auch die Elemente die einen eher anleitendenden Charakter wie bei den Proben hatten. Leider wirkten der Zeitdruck und die starke Produktorientierung, schließlich erwarteten wir 100 Zuschauer, negativ auf mein Empfinden. Ich erkannte den Spaß und das Lernen der Kinder durch unsere Arbeit, empfand die Proben aber teilweise auch als für das Lernen der Kinder nicht optimal genutzte Zeit. Natürlich stellt eine Aufführung eine außergewöhnliche Erfahrung und Motivation dar, aber ich glaube für die individuellen Lernmöglichkeiten der Kinder kann andere, vielleicht auch bessere Arbeitsmethoden finden. Dies stellt selbstverständlich keinen Vorwurf an die Theaterpädagoginnen dar, sondern viel mehr an die gesellschaftlich verbreiteten, eindimensionalen Erwartungen an Theaterpädagogik.

Abschließend möchte ich festhalten, dass ich das Praktikum als sehr anregend empfunden habe, weil ich Einblicke in verschiedenste Bereiche der Theaterarbeit bekommen habe, aber auch weil ich viele Interessante Menschen kennenlernen durfte durch die ich neue, andere Perspektiven kennenlernen und einnehmen konnte. Es hat dazu beigetragen und meinen Entschluss gefestigt, nach meinem Bachelorabschluss zunächst zu versuchen einen klareren, umsichtigeren Blick auf mich und meine Umwelt zu gewinnen um mir dann erneut und hoffentlich weiser die Frage zu stellen: „Welchen Weg möchte ich gehen?“. Denn neben dem ganzen Unistress, hat man leider wenig Zeit um diesen Blick zu gewinnen.

Ich hoffe auch ihr erlangt eine solche Klarheit, wenn ihr sie nicht schon habt.

 

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Vier

Vier

Mein letzter Eintrag liegt mittlerweile fast einen Monat zurück und mein Praktikum ist fast vorbei. Obwohl nächste Woche die Uni wieder losgeht, werde ich von Mittwoch bis Freitag noch im Praktikum sein um an einem besonderen Projekt teilzunehmen. Meine Praktikumseinrichtung wird in Kooperation mit verschiedenen anderen Kultureinrichtungen, einen vom Land geförderten 1-wöchigen Theater- und Sprachworkshop für benachteiligte Kinder ausrichten. Ich denke im Zusammenhang damit wird sich viel Stoff für das e-Portfolio ergeben. Darum berichte ich euch heute von meinen seit dem letzten Eintrag gemachten Erfahrungen.
Wie ich im Kapitel „Drei“ schon angekündigt hatte, war ich in Hamburg auf der Fortbildung für mehrere Schauspieler. Es war eine Fachberaterin für das Thema sexueller Missbrauch da, die die Spieler auf den neuesten Stand brachte was dieses Thema angeht. Dabei gab es natürlich auch viel Informationsbedarf über spezifische Situationen die den Spieler/innen passieren können oder schon passiert sind. Unter anderem wie man handeln soll, wenn ein Kind erklärt es sei misshandelt worden, aber nicht möchte, dass der/die Spieler/in die Information an irgendjemanden weitergibt, bzw. nur davon erzählen möchte, wenn der/die Spieler/in verspricht die Information weiterzugeben. Die Fachfrau riet dazu, dem betroffenen Kind das Versprechen zu geben, es in seiner Aussagemotivation zu bestärken und zu versuchen ihm zu vermitteln, dass es niemanden nutzt wenn der Missbrauch ein Geheimnis bliebe. Wenn das Kind trotzdem nicht wolle, dass die Information weitergegeben werde, sollen sich die Spieler/innen auf jeden Fall an das Versprechen halten. Die betroffenen Kinder würden schon genug Fremdbestimmung erfahren. Einen pauschalen Handlungsleitfaden für solche Situationen gibt es nicht. Vielmehr ist die wichtigste Information, dass man sich auch als derjenige an den das Geheimnis heran getragen wird, Hilfe suchen kann. Leider gab es nach dem Fachvortrag wieder nur relativ wenig Theater. Es wurden nur kleine Teile des Stücks und die Begrüßung vor dem Stück geprobt.
Eine Woche später war ich bei einer Veranstaltung die inklusiv ausgelegt war. In den Räumlichkeiten eines Osnabrücker Turnvereins sollte eine Gruppe von ca. 15 Kindern/Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren Techniken zur Selbstbehauptung erlernen. Das besondere war die Zusammenstellung der Gruppe. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer hatte eine Behinderung. Diese Kinder hatten zum einen leichte geistige zum anderen leichte körperliche (Hören) Einschränkungen. Der erste Teil der Workshops wurde von uns gestaltet. Wir starteten mit aktivierenden Kennenlernspielen und machten dann Übungen bei denen die Kinder sich darstellen sollten. Dabei wurde erst mit kleinen Gesten nur für sich begonnen um schließlich mit dem Darstellen vor der gesamten Gruppe zu Enden. Man merkte den Teilnehmern an, dass sie sehr viel Spaß dabei hatten. Ein Schwerpunkt lag dem Thema folgend natürlich beim Darstellen von ausdrucksstarken Gesten. Der zweite Teil des Tages wurde von einem Trainer vom deutschen Karate Bund angeleitet. Er legte den Schwerpunkt eher auf das Einüben und Trainieren von Gesten auf der rein körperlichen, sportlichen Ebene. Ich hatte das Gefühl, dass den Kindern Teilweise der spielerische Charakter dabei fehlte. Dieser war bei unseren Ausführungen vorhanden und ließ einen ganz anderen Zugang zu.
Ich hatte außerdem das Glück zwei weitere Stücke zu sehen. Eins davon dient der Suchtprävention und ist ein Angebot für Schüler/innen ab der 8 Klasse. Das Andere möchte Grundschulkindern in den ersten beiden Klassen ein Gefühl für Selbstbestimmung vermitteln. Zwei vollkommen verschiedene Zielgruppen also. Das erste Stück durfte ich mit einer desinteressierten Gesamtschulklasse sehen. Das zweite mit drei begeisterten ersten Klassen. Da ich die Stücke zeitlich kurz hintereinander sah drängte sich mir die Frage nach dem Nutzen auf.

In der Gesamtschule wirkten die zwei Klassen die ich während der Aufführung beobachten durfte eingefahren und schwierig. Ihre Beteiligung war sehr dürftig und während im Stück auch das Thema Mobbing vorkam glaubte ich währenddessen die ersten Mobbingstrukturen in der Klasse ausmachen zu können. Es war sehr unruhig. In einem Gespräch mit einem der Spieler äußerte dieser sich trotzdem recht zuversichtlich. Die Schüler/innen würden sich die Informationen die von Belang für sie sind schon herauspicken.

Die Schüler/innen der Grundschule waren nicht minder unruhig. Jedoch weil sie sehr aufgeregt und engagiert am Spielgeschehen teilnahmen. Obwohl sie zunächst nicht dazu aufgefordert waren. Die Kinder waren so vertieft, dass sie im Stück gestellte Fragen direkt mit lauten Zurufen ins Forum beantworteten.

Diese direkte Gegenüberstellung soll die Zugänglichkeit der Schüler/innen verdeutlichen. Ich bin mir bewusst, dass keine der Klassen unbedingt repräsentativ sein muss. Außerdem können meine Beobachtungen durchaus einseitig sein und mit Sicherheit sind sie subjektiv. Aber ich denke die Annahme, dass ältere Schüler/innen in ihren Persönlichkeitsstrukturen schon weiter fortgeschritten und festgefahrener sind lässt sich nachvollziehen. Inwieweit lassen sich 14-jährige mit negativ auf sie einwirkendem familiär-sozialem Umfeld von dreimal 45 Minuten Theaterpädagogik beeinflussen? Ich male jetzt schwarz. Auch in den Klassen die ich besuchte gab es wahrscheinlich die Jugendlichen mit Voraussetzungen um positives mitnehmen zu können. Aber ich glaube gleichzeitig, dass ein großer Anteil mehr Bedarf hätte. Da können die Stücke nur Impulse geben. Impulse die bei Jugendlichen aus bestimmten Milieus nicht ankommen. Impulse die bei Kleinkindern auf formbareren, nahrhafteren Boden treffen.

Diese Ausführungen führen mich zu grundsätzlichen Fragen. Was kann Schule leisten? Was soll Schule leisten? Was für eine Gesellschaft wollen wir? Schließlich lässt sich die zukünftige Entwicklung eben dieser durch wenig mehr beeinflussen als durch unser Bildungssystem. Diese Fragen hier zu diskutieren ist nicht die Zeit und der Ort. Nur so viel: Immer wieder treffe ich mit solchen Überlegungen auf Leute die mich als Pessimisten bezeichnen. Im Verlauf dieses Eintrags merkte ich schon selber an, dass ich schwarz male. Doch ich versuche mir den kritischen Blick zu bewahren, während ich auch die positiven Entwicklungen wahrnehme. Ich glaube an die Relevanz solcher Anmerkungen und Kritik, denn Systeme wie unser Bildungssystem in seiner ganzen Komplexität neigen zur Trägheit und Erhaltung. Doch nur durch Arbeit und Impulse dazu, kann mit diesem institutionellen System das Leben von Menschen verbessert werden.

Ein weiteres Erlebnis war der Besuch eines Grundlagenworkshops für neue Spieler/innen. Wieder ging es um das Thema sexueller Missbrauch. Was außergewöhnlich war, waren die Diskussionen, die angeregt durch die Leiterin, zu Fragen der Deklarierung verschiedener Situationen aufkamen. Die Leiterin las mehrere Texte vor in denen Situationen beschrieben wurden aus denen nicht klar hervorging ob es sich dabei um sexuellen Missbrauch handelte oder nicht. Beispiel: Ein Vater gibt seinem 10-Jährigen Sohn beim Verabschieden einen Kuss auf den Mund. Danach sollten sich die Teilnehmer/innen soziometrisch aufstellen und somit kundtun ob sie glauben, dass dies sexueller Missbrauch sei. Es gab bei allen Fragen, trotz vorher vorgestellter Definition von sexuellem Missbrauch ein breites Meinungsspektrum. Es konnte anhand keiner der Texte erkannt werden ob z.B. Zwang ausgeübt wurde. Individuelle Erfahrungen spielten außerdem eine große Rolle bei der Entscheidung. So konnte ein Vater davon berichten, dass sein 9-jähriger Sohn regelmäßig ohne sein zu tun auf den Mund küsse. Andere Teilnehmer berichteten davon ihre Eltern früher niemals auf den Mund geküsst zu haben. Dem entsprechend vermuteten einige in einer Situation wie der oben beschriebenen eine Art von sexueller Gewalt. Das ganze machte die Schwierigkeit von Definitionen klar. Jede Situation muss letztlich individuell bewertet werden und bedarf oft genauerer Informationen.

Als letztes möchte ich euch von einer Theaterprobe berichten. Eine neue Spielerin musste das erste Mal ein Stück proben und ich durfte als Regieassistenz helfen. Der Spielpartner spielt das Stück schon länger, ist also erfahren. Darum lag das Hauptaugenmerk auf der neuen Schauspielerin. Am Anfang machten wir ein paar Lockerungsübungen um sich Kennenzulernen. Vor allem die beiden Spieler sollten ein Gefühl für den anderen bekommen. Deshalb machten sie danach eine Übung bei der sie Sich gegenüber sitzen und sich spiegeln sollten. Das heißt, zunächst machte der eine, dann der andere Bewegungen vor, die dann das Gegenüber zeitgleich nachmachen sollte. Zuletzt gab der Spielleiter vor, dass sich die Führung im Prozess finden und immer wieder wechseln sollte, ohne dass wir es von außen merken sollten. Dann ging die eigentliche Probe los. Gestaffelt nach den einzelnen Szenen gingen wir innerhalb dieser immer wieder ins Detail. Ein teilweise sehr kleinschrittiger Prozess, weil es so viele verschiedene Ebenen gibt die beim Theater machen wirken. Raum, Körper, Stimme. Natürlich brauchte die Schauspielerin auch einfach weitergehende Informationen um sich den Aufbau und die Ambitionen des Stückes erschließen zu können. Das ganze ließ mich erkennen wie vielschichtig Theater ist und wie viel Arbeit es ist um gutes Theater entstehen zu lassen. Die Theaterarbeit, der künstlerische Prozess wirkte auf mich sehr reizvoll. Es ist eine sehr eindrucksvolle Art um etwas auszudrücken.

In Bezug auf meine Leitfrage erhöht das letztbeschriebene natürlich meine Skepsis gegenüber dem eingeschlagenen Weg zum Lehrer. Es gibt so viele interessante Berufe. Auch im Theaterbereich. Ich werde die Zeit nach dem Bachelor, den ich im nächsten Semester machen werde, auf jeden Fall dazu nutzen um mich zu orientieren und mich vertiefend der Frage zu widmen was ich in Zukunft machen möchte.

Mit fröhlich-skeptischen Grüßen

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Drei

Drei

Endlich wieder Nachrichten. Die freie Woche wird nicht so frei wie gedacht, doch dafür tuen sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Am Samstag werde ich für einen Tag mit zwei Spielleitern/Theaterpädagogen nach Hamburg fahren um mit zwei Schauspielteams bzw. 8 Personen auf ein Stück hin zu arbeiten. Die Teams haben das Stück schon öfter gespielt, deshalb weiß ich nicht wie das ganze konkret aussehen wird. Ich bin aber sehr gespannt und hoffe, dass ich möglichst stark in die Arbeit involviert werde und nicht nur zuschauen darf. Ich werde davon berichten.

Wovon ich euch schon beim letzten Eintrag erzählen wollte, ist der Start des im ersten Eintrag schon erwähnten Erziehungsstück für Eltern. Dieses Stück ist ein gerade erst angelaufenes Projekt, in dem es um verschiedene Fragen zum Leben mit und Erziehen von Kleinkindern geht. Konkret wurde das Stück nach einer ca. 1 ½  jährigen Entwicklungsphase mittlerweile ca. 6 Mal aufgeführt. Es befindet sich somit noch in der Pilotphase. Bei den bisherigen Auftritten, die bisher fast ausschließlich in Kindergärten o.ä. stattfanden, wurde eine Evaluation in Form eines von den Eltern und Erziehern auszufüllenden Fragebogens durchgeführt. Bei der Auswertung war ich dabei und konnte mich mit den anderen über ein insgesamt positives Feedback freuen.

Das Stück beinhaltet mehrere typische Szenen des Erziehungsalltags. Durch Charme und Witz werden schwere Situationen greifbar gemacht und durch unterschiedliche Ansätze verschieden gelöst. Es bietet keine fertigen Lösungen, sondern möchte eher zum Hinterfragen und Austauschen anregen. Darum gibt es auch hier, ganz in der Tradition der anderen Stücke meiner Praktikumseinrichtung, interaktive Passagen, durch die auch kommunikative Momente zwischen den Eltern entstehen sollen.

Ich habe zwei Vorstellungen gesehen und fand es, obwohl ich keine Kinder habe, sehr amüsant und anregend. Ich spürte außerdem, wie groß das Bedürfnis nach Austausch vorhanden war. Zumindest nach dem sich die Eltern nach vorheriger Ängstlichkeit, langsam immer mehr zugetraut haben. Auch, weil sie gemerkt haben, dass bei Vielen ähnliche Probleme vorhanden sind und durch die humorvolle  Herangehensweise. Trotzdem war eine grundlegende Voreingenommenheit vieler Eltern zu bemerken. Ich denke, dass die Eltern die zu solchen Veranstaltungen kommen schon zu den Aufgeschlosseneren zählen. Die, die es vielleicht nötiger hätten bleiben vermutlich eher fern. Dem entsprechend ist die Beantwortung der Frage nach der Bereitschaft zu einem Elterntraining auf dem Evaluationsbögen eher durchschnittlich ausgefallen.

Ich finde es erschreckend wie verschlossen einige Eltern sich gegenüber Beratung und neuen Einflüssen zeigen. Das zeugt von einem abgeschlossenem Selbstverständnis, welches nicht dazu lernen möchte und genau das Gegenteil von dem ist was ich einen erwachsen, also (selbst)reflexiven und offen Menschen nennen würde.

Ein weiteres interessantes Erlebnis von dem ich euch noch kurz erzählen möchte, war der heutige Tag. Ich besuchte eine Vorstellung von dem Stück auf dessen Probe ich am Samstag nach Hamburg fahren werde. Das Stück handelt von sexueller Gewalt unter Jugendlichen und wurde heute das erste Mal vor Schüler/innen einer Förderschule für geistig Behinderte Menschen aufgeführt. Das Stück benutzt zum Teil sehr direkte, ordinäre Jugendsprache. Das Publikum hat viel gelacht. Nach der Aufführung ging es in die Schule und ich durfte mir einen Workshop anschauen den die Schauspieler/innen mit den Schüler/innen gemacht haben. Dabei waren in meiner, von den Lehrer/innen so eingeteilten Gruppe 6 „halbstarke“, pubertierende Jungs im Alter von 13 bis 15 Jahren. Auf der einen Seite waren die Jungs sehr kommunikativ und offen, auf der anderen Seite fiel es dem Schauspieler schwer die eigentlich angedachte Workshop-Struktur umzusetzen. Wie viel Einfluss ausgeübt werden konnte ist außerdem fraglich, da wir leider feststellen mussten, dass ein Junge es z.B. nicht verstanden hat, dass in dem Stück eine Vergewaltigung stattgefunden hat, weil sie nur im „Off“ dargestellt wurde, heißt nicht visuell sichtbar. Inwieweit muss solch ein Stück noch weiter modifiziert werden um es vor einem reinen Förderschulpublikum spielen zu können?

Um nun endlich meine Leitfrage ausformulieren zu können, möchte ich euch von einem Gespräch und einer generellen Beobachtung berichten.

Das Gespräch, welches ich mit meinem Chef führte, nahm seinen Anfang, nachdem er mir ein Buch vorstellte. Das halb dokumentarisch, halb dramatisch geschriebene Buch handelt von einem Mord, den drei Jugendliche mit rechtsextremem Hintergrund im Jahr 2002 an einem Kumpel begangen haben. Es  versucht die Hintergründe der Tat zu beleuchten. Es sind Biographien der Täter und Auszüge aus den nach der Tat geführten Verhören abgedruckt. Ich lese es gerade. Der Name ist „ Der Kick“ von Andres Veiel. Ich habe es noch nicht zu Ende gelesen, doch das ist für die Formulierung der Leitfrage nicht wichtig.

Das Gespräch ist das wichtige. Es ging um die Frage nach dem freien Willen. Höchstphilosophisch. Höchstfragwürdig. Obwohl die Täter alle ihre eigene Geschichte mit Gewalterlebnissen oder schweren familiären Verhältnissen oder beidem und noch mehr haben, meinte mein Gegenüber, die Tat letztlich doch auf so etwas wie den freien Willen zurückführen zu können und zu müssen. Da sei eine bewusste, klare Entscheidung getroffen worden. Die Täter haben sich aus freien Stücken dazu entschieden den anderen Jungen auf brutalste Weise zu ermorden. Ohne von ihrer Vergangenheit beeinflusst worden zu sein. Denn das wäre ein freier Wille. Wie ihr vielleicht heraus hört, traue ich dem freien Willen nicht.

Aber es soll hier nicht um diese wichtige Frage gehen, obwohl ich gerne Kommentare, Meinungen und Wahrheiten von euch dazu lesen würde. Worauf ich eigentlich hinaus will (ja, ich will) ist, dass mein Chef, da wo ich zweifle, zutiefst von etwas überzeugt gewesen ist. Von der Klärbarkeit der Schuld. Diese Frage ist sehr brisant, doch für mich war in dem Moment wichtiger zu erkennen, dass er in Bezug auf die Thematik die er durch seine Arbeit behandelt, einen klar definierten Standpunkt hat. Natürlich bin ich dagegen, dass irgendeinem lebenden Wesen Leid zugefügt wird, z.B. durch sexuellen Missbrauch, aber es fällt mir schwer mich selbst  in diesem Zusammenhang von einem stark vereinfachenden, eindimensionalem Täter-Opfer-Schema überzeugen zu lassen. Wie sehr benötigt man jedoch solche Vereinfachungen und Strukturierungen unserer immer komplexer werdenden Welt auch im pädagogischen Alltag? Wo sind sie sinnvoll, wo nicht?

Die generelle Beobachtung, die uns weiterführt zur Leitfrage, hat mit dem Engagement der in meiner Praktikumsstelle tätigen Menschen zu tun. Zumindest die in der Zentrale sitzenden Theaterpädagogen sind sehr engagiert, wirken oft gestresst und stehen voll hinter den von Ihnen gesteckten Zielen. Zum Teil habe ich das Gefühl, das auch Ihr Glück von dem gelingen Ihrer Arbeit abhängt. Vielleicht nicht im Großen, so doch im Kleinen und somit dann doch auch wieder im Allgemeinen. Sie bringen Leidenschaft mit.

Aus diesen zwei Ausführungen leitet sich für mich meine persönliche, zukunftsorientierte Leitfrage ab.

Bin ich bereit mein Wohlergehen, mein Glück von etwas abhängig zu machen bzw.  mein Leben mit etwas zu verbringen, von dem ich vielleicht nicht wirklich überzeugt bin oder was ich zumindest noch nicht vollends durchblickt habe?

Ich lasse das jetzt erst einmal so stehen. Oder?

Ich denke weiter darüber nach oder auch nicht und wünsche euch bis zum nächsten Eintrag mehr Licht.

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Zwei

Zwei

Drei Wochen Praktikum liegen hinter mir. Seit meinem letzten Beitrag ist einiges passiert. Nicht nur im Zusammenhang mit dem Praktikum. Endlich ist die Klausurphase geschafft und heute habe ich andere wichtige Dinge erledigt die fristgerecht abgegeben werden müssen. Nächste Woche werde ich neben meiner Praktikantentätigkeit nichts machen. Es kommt fast Urlaubstimmung auf. Aber bevor ich mich ab morgen auf die wirklich wichtigen Sachen im Leben konzentriere, kommt hier der neueste Bericht von der theaterpädagogischen Front.

Ich habe zwar auch Theater miterlebt (davon später mehr), doch leider habe ich bisher auch viel Zeit im Büro mit mal mehr, mal weniger Interessanten Aufgaben verbringen müssen. Ich fühle mich gut aufgehoben da die Kollegen sehr nett sind. Leider aber auch manchmal im Stress. Die Aufgaben die ich erledigen muss sind sehr Vielfältig, weshalb es selten langweilig wird. Das Spektrum reicht von dem besorgen neuer, spezieller Clownsschuhen die man sich um die Knie binden kann, da der Clown halbwüchsig ist (leider erfolglos, ich musste die alten reparieren), über das Bügeln von einem Vorhang der als Bühnenbild für eine Schauspielgruppe dienen soll, die nächste Woche für ein Gastspiel an einer deutschen Schule nach Athen fliegt, bis hin zum Aktualisieren und Führen der hauseigenen Bibliothek die viel interessante und spezielle Literatur enthält. Ich hoffe die Bibliothek wird mir noch behilflich sein wenn ich Literatur für meine Bachelorarbeit brauche.

Eine andere erwähnenswerte Büroarbeit ist die Recherche zu besonderen Themen. Zweimal habe ich bisher Rechercheaufträge von meinen Chefs bekommen.

Das erste Mal sollte ich versuchen heraus zu finden ob es ein normaler Vorgang ist, dass Eltern von Jungen im Kleinkindalter bei einer Phimose (Vorhautverengung) dazu angehalten werden zur Behandlung der Erkrankung die Vorhaut des Jungen mechanisch vor und zurück zu bewegen. Es gab punktuelle Rückmeldungen von Seiten einiger Spieler, dass sich einzelne Jungen nach der Aufführung des Stückes über sexuelle Gewalt verwirrt gezeigt haben. Das Ganze ist natürlich ein Thema über das wir uns genauestens informieren  müssen um professionell mit solchen Situationen umgehen zu können. Die besagte Behandlungsmethode gibt es tatsächlich. Nur ob diese von den Eltern ausgeführt werden muss weil das Kind noch zu klein ist um das selbst zu machen oder ob eine Anleitung  und Überwachung von Seiten der Eltern genügt bleibt weiter fraglich und obliegt vermutlich den individuellen Umständen. Es bleibt ein schwieriges Thema, was keine abschließende Antwort zulässt.

Beim zweiten Rechercheauftrag sollte ich nach Methoden suchen um das Thema Cybermobbing in einer 8. Jahrgangsstufe behandeln zu können. Ich war verblüfft wie viel Informationsmaterial es zu dem Thema gibt. Methoden zur Thematisierung gibt es leider nicht so viele. Anscheinend ist das ein großes Thema an den Schulen. Es gibt eine  von der EU gegründete Initiative namens Klicksafe die sich mit solchen und ähnlichen Fragen zur Sicherheit im Netz beschäftigt. Durch neue Kommunikationswege und –plattformen wie Facebook, WhatsApp und verschiedene Chatrooms haben sich neue, andere Mobbingmöglichkeiten aufgetan bei denen die Täter anonym bleiben und sich zu riesigen Gruppen zusammenschließen können. Bei der Recherche stieß ich auf den schockierenden Fall von Amanda Todd, einem 15 jährigem Mädchen aus den USA, das aufgrund von Cybermobbing Suizid beging. Für mich erschloss sich dadurch eine völlig neue Dimension der Netzkultur. Wenn ihr euch für die traurige Geschichte von Amanda interessiert gibt es hier einen Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Amanda_Todd .

Durch die Recherche konnte ich mich in zwei speziellen Themengebieten Ausschnittweise informieren und so einen Eindruck darüber gewinnen wie breit das Feld der Themen ist die von meiner Einrichtung mit Schülern und Schülerinnen behandelt werden.

Wie oben schon erwähnt, hatte ich auch das Glück in den zwei vergangenen Wochen ein wenig Theater zu sehen. Noch in der ersten Woche bin ich einen kompletten Vormittag mit einem Schauspielteam mit gefahren. Sie haben an dem Tag zwei Schulen in einem Ort besucht und ein und dasselbe Stück  insgesamt vor vier verschiedenen Klassen aufgeführt. Dabei merkte ich, dass das ganze leider nicht nur kreativer Spaß ist, sondern auch harte Arbeit. Wenn man viermal hintereinander, in kurzen Abständen das gleiche Stück spielt, darf man auch beim vierten Mal nicht seine Bühnenpräsenz verlieren. Die Schauspieler hatten Stress, weil sie in kürzester Zeit von einem zum anderen Spielort mussten, durften sich davon aber vor den Kindern natürlich nichts anmerken lassen. Insgesamt konnte ich einen interessanten Unterschied zu dem Schauspielteam feststellen, welchem ich direkt an meinem ersten Praktikumstag zuschauen durfte. (Ich konnte mir jenes Team auch noch einmal mit dem gleichen Stückteil ansehen, den ich jetzt bei diesem Team sehen durfte.) Das Team 1 welches ich den ganzen Tag begleitet hatte, war auf der darstellerischen Ebene, meiner Laienmeinung nach, um einiges stärker, hatte jedoch nicht einen so positiv erlebten Kontakt zu den Kindern. Da wo das zweimal besuchte Team 2 die Kinder mit ihrer positiven Energie einfing, schaffte Team 1 es eher durch darstellerische Finessen. Mir wurde dadurch die Bandbreite der notwendigen Kompetenzen bewusst, die man benötigt um auf dieser Ebene mit Kindern arbeiten zu können.

Da ich eure Lesebereitschaft nicht überstrapazieren möchte und ich noch auf einen Geburtstag eingeladen bin, werde ich meine weiteren Erlebnisse und tiefergreifenderen Gedanken dann doch nächste Woche verfassen. Dann geht es auch an die mir schon vorschwebende Leitfrage. Es geht ums Ganze.

Bis dahin, herzliches AntiHelau!

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EINS

EINS

Der erste Tag meines Praktikums ist erlebt.

Nachdem ich einige Probleme hatte einen, meinen Vorstellungen entsprechenden Praktikumsplatz zu finden, habe ich in höchster Not doch noch das große Los gezogen. Ich werde die nächsten zwei Monate jeden Morgen nach Osnabrück fahren dürfen. (In diesem Blog werden keine Emoticons eingesetzt. Ironie müsst ihr selbst erkennen.)

In dieser doch recht durchschnittlichen Stadt befindet sich nämlich der Ort an dem ich und von dem aus ich meine ersten Erfahrungen in einem für mich sehr reizvollen Berufsfeld machen werde. Ein Zentrum der kreativ durchdrungenen und pädagogisch höchstmotivierten Arbeit einer rein theaterpädagogisch arbeitenden Einrichtung. Die Einrichtung bietet in der Hauptsache Präventionsprogramme für Schulen an. Diese Programme, die verschieden lang sind und sich an verschiedene Jahrgangsstufen richten (1. – 10. Klasse), behandeln Themen wie sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch, Gewalt, Rechtsextremismus und Selbstbewusstsein. Darüber hinaus wird auch an einmaligen und neuen Projekten gearbeitet. So werde ich morgen die Vorpremiere eines Stückes zu Erziehungsfragen und -haltungen für Eltern besuchen dürfen.

Theater ist hier die ultimative Methode. Durch theatralische Methoden wie Musik, Humor und (Schau-)Spiel wird versucht eine lockere und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen in der Themen behandelt werden können die sonst verschiedenste Schwierigkeiten aufwerfen können. Dabei setzen sich die Programme zumeist aus vorführenden Elementen und Elementen in denen die Kinder partizipieren sollen zusammen. So entsteht eine oft kreative, doch geleitete Auseinandersetzung mit dem Thema zwischen den Theaterpädagogen/Innen der Einrichtung und den von Ihnen besuchten Klassen.

Woher ich das weiß, obwohl ich erst einen Tag da war? Abgesehen davon, dass ich mich in allerlei Flyern des Betriebes informierte, startete mein Praktikum mit dem Besuch eines Schauspielteams und ich erlebte direkt einige wichtige Teilaspekte der theaterpädagogischen Arbeit.

Es gibt feste Teams die immer zusammen arbeiten und über ganz Deutschland verteilt angesiedelt und tätig sind. (Und ich sitze in der Zentrale.) Einer meiner unmittelbaren Ansprechpartner ist unter anderem der Spielleiter für alle Ensembles eines Programms zwischen Münster und Bremen. Heute waren wir nur in Osnabrück-Haste. Der Spielleiter hat die Funktion die Arbeit des jeweiligen Ensembles zu begutachten. Er gibt ihnen konstruktives Feedback und gleicht das gesehene Programm mit den Erwartungen der Zentrale ab. Durch ihn erfuhr ich außerdem mehr von den fundamentalen Prinzipien ihrer Arbeit. Man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten. Sind eigentlich alle „Theatermenschen“ so sympathisch?

Ich bin also Zeuge geworden, wie 24 Kinder aus der 4. Klasse gebannt und  engagiert das Thema sexuelle Gewalt behandelten. Wir sahen die erste Einheit von insgesamt drei Einheiten. Die nächsten folgen in den kommenden 2 Wochen. Ich muss zugeben, dass ich von der Lern-Lehr-Situation gerührt war. Ich spürte wie sehr die Kinder von den Szenen gepackt wurden und wie sich die positive Ausstrahlung der Schauspieler auf die Kinder übertrug. Ich erahne gigantisches Potential in der theatralen Arbeit mit Kindern. Auf mich wirkt die Arbeit der Theaterpädagogen nach dem ersten Arbeitstag sehr facettenreich. So vielfältig, dass ich mich scheue eine Leitfrage zu formulieren und mir nur zu hoffen bleibt, dass ich es in den nächsten zwei Monaten schaffe mich vertiefend und fokussiert mit Kerngebieten der Theaterpädagogik auseinanderzusetzen. Schließlich möchte ich meine Bachelorarbeit im nächsten Semester über ein theaterpädagogisches Thema schreiben. Genug Stoff gibt es ja. Für die Leitfrage dieses Blogs lasse ich mir also noch ein wenig Zeit. Ich hoffe ihr könnt es verkraften. Ihr, meine tausenden von Leser.

Grüße, mit hellster Begeisterung, von neben der Bühne.

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