Zwei

Zwei

Drei Wochen Praktikum liegen hinter mir. Seit meinem letzten Beitrag ist einiges passiert. Nicht nur im Zusammenhang mit dem Praktikum. Endlich ist die Klausurphase geschafft und heute habe ich andere wichtige Dinge erledigt die fristgerecht abgegeben werden müssen. Nächste Woche werde ich neben meiner Praktikantentätigkeit nichts machen. Es kommt fast Urlaubstimmung auf. Aber bevor ich mich ab morgen auf die wirklich wichtigen Sachen im Leben konzentriere, kommt hier der neueste Bericht von der theaterpädagogischen Front.

Ich habe zwar auch Theater miterlebt (davon später mehr), doch leider habe ich bisher auch viel Zeit im Büro mit mal mehr, mal weniger Interessanten Aufgaben verbringen müssen. Ich fühle mich gut aufgehoben da die Kollegen sehr nett sind. Leider aber auch manchmal im Stress. Die Aufgaben die ich erledigen muss sind sehr Vielfältig, weshalb es selten langweilig wird. Das Spektrum reicht von dem besorgen neuer, spezieller Clownsschuhen die man sich um die Knie binden kann, da der Clown halbwüchsig ist (leider erfolglos, ich musste die alten reparieren), über das Bügeln von einem Vorhang der als Bühnenbild für eine Schauspielgruppe dienen soll, die nächste Woche für ein Gastspiel an einer deutschen Schule nach Athen fliegt, bis hin zum Aktualisieren und Führen der hauseigenen Bibliothek die viel interessante und spezielle Literatur enthält. Ich hoffe die Bibliothek wird mir noch behilflich sein wenn ich Literatur für meine Bachelorarbeit brauche.

Eine andere erwähnenswerte Büroarbeit ist die Recherche zu besonderen Themen. Zweimal habe ich bisher Rechercheaufträge von meinen Chefs bekommen.

Das erste Mal sollte ich versuchen heraus zu finden ob es ein normaler Vorgang ist, dass Eltern von Jungen im Kleinkindalter bei einer Phimose (Vorhautverengung) dazu angehalten werden zur Behandlung der Erkrankung die Vorhaut des Jungen mechanisch vor und zurück zu bewegen. Es gab punktuelle Rückmeldungen von Seiten einiger Spieler, dass sich einzelne Jungen nach der Aufführung des Stückes über sexuelle Gewalt verwirrt gezeigt haben. Das Ganze ist natürlich ein Thema über das wir uns genauestens informieren  müssen um professionell mit solchen Situationen umgehen zu können. Die besagte Behandlungsmethode gibt es tatsächlich. Nur ob diese von den Eltern ausgeführt werden muss weil das Kind noch zu klein ist um das selbst zu machen oder ob eine Anleitung  und Überwachung von Seiten der Eltern genügt bleibt weiter fraglich und obliegt vermutlich den individuellen Umständen. Es bleibt ein schwieriges Thema, was keine abschließende Antwort zulässt.

Beim zweiten Rechercheauftrag sollte ich nach Methoden suchen um das Thema Cybermobbing in einer 8. Jahrgangsstufe behandeln zu können. Ich war verblüfft wie viel Informationsmaterial es zu dem Thema gibt. Methoden zur Thematisierung gibt es leider nicht so viele. Anscheinend ist das ein großes Thema an den Schulen. Es gibt eine  von der EU gegründete Initiative namens Klicksafe die sich mit solchen und ähnlichen Fragen zur Sicherheit im Netz beschäftigt. Durch neue Kommunikationswege und –plattformen wie Facebook, WhatsApp und verschiedene Chatrooms haben sich neue, andere Mobbingmöglichkeiten aufgetan bei denen die Täter anonym bleiben und sich zu riesigen Gruppen zusammenschließen können. Bei der Recherche stieß ich auf den schockierenden Fall von Amanda Todd, einem 15 jährigem Mädchen aus den USA, das aufgrund von Cybermobbing Suizid beging. Für mich erschloss sich dadurch eine völlig neue Dimension der Netzkultur. Wenn ihr euch für die traurige Geschichte von Amanda interessiert gibt es hier einen Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Amanda_Todd .

Durch die Recherche konnte ich mich in zwei speziellen Themengebieten Ausschnittweise informieren und so einen Eindruck darüber gewinnen wie breit das Feld der Themen ist die von meiner Einrichtung mit Schülern und Schülerinnen behandelt werden.

Wie oben schon erwähnt, hatte ich auch das Glück in den zwei vergangenen Wochen ein wenig Theater zu sehen. Noch in der ersten Woche bin ich einen kompletten Vormittag mit einem Schauspielteam mit gefahren. Sie haben an dem Tag zwei Schulen in einem Ort besucht und ein und dasselbe Stück  insgesamt vor vier verschiedenen Klassen aufgeführt. Dabei merkte ich, dass das ganze leider nicht nur kreativer Spaß ist, sondern auch harte Arbeit. Wenn man viermal hintereinander, in kurzen Abständen das gleiche Stück spielt, darf man auch beim vierten Mal nicht seine Bühnenpräsenz verlieren. Die Schauspieler hatten Stress, weil sie in kürzester Zeit von einem zum anderen Spielort mussten, durften sich davon aber vor den Kindern natürlich nichts anmerken lassen. Insgesamt konnte ich einen interessanten Unterschied zu dem Schauspielteam feststellen, welchem ich direkt an meinem ersten Praktikumstag zuschauen durfte. (Ich konnte mir jenes Team auch noch einmal mit dem gleichen Stückteil ansehen, den ich jetzt bei diesem Team sehen durfte.) Das Team 1 welches ich den ganzen Tag begleitet hatte, war auf der darstellerischen Ebene, meiner Laienmeinung nach, um einiges stärker, hatte jedoch nicht einen so positiv erlebten Kontakt zu den Kindern. Da wo das zweimal besuchte Team 2 die Kinder mit ihrer positiven Energie einfing, schaffte Team 1 es eher durch darstellerische Finessen. Mir wurde dadurch die Bandbreite der notwendigen Kompetenzen bewusst, die man benötigt um auf dieser Ebene mit Kindern arbeiten zu können.

Da ich eure Lesebereitschaft nicht überstrapazieren möchte und ich noch auf einen Geburtstag eingeladen bin, werde ich meine weiteren Erlebnisse und tiefergreifenderen Gedanken dann doch nächste Woche verfassen. Dann geht es auch an die mir schon vorschwebende Leitfrage. Es geht ums Ganze.

Bis dahin, herzliches AntiHelau!

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